Methode und Indikationen

Eine Methode zur Reinigung chronischer Beingeschwüre ist die sog. Biochirurgie mit Fliegenlarven. Die "Madenheilung" ist seit dem Mittelalter bekannt. Mit dem Aufkommen der Antibiotika-Behandlung wurde diese Therapieform bei uns jedoch nur noch sehr selten angewandt. Trotz Antibiotika gibt es aber auch heute chronische Wunden, bei denen moderne Behandlungsmethoden versagen. In solchen Fällen kommt die "Biochirurgie" wieder mit gutem Erfolg zur Anwendung. Worauf beruht der Effekt der Biochirurgie? Die Fliegenlarven sind reine Nekrophagen und beseitigen abgestorbenes Zellgewebe. Ausserdem sezernieren sie im Rahmen extrakorporaler Verdauung auflösende Enzyme, mit denen abgestorbenes Gewebe verflüssigt wird. Dabei entsteht ein keimabtötendes Wundmilieu.

- Fallbeispiel einer erfolgreichen Madenbehandlung
- Fliegenmaden: Die lebenden Wundheiler [191 KB] (aus kompettGesund 2006)

Madenbehandlung beim chronischen Ulcus cruris

Technisches Vorgehen:
Die sterilen Larven werden in die Wunde gesetzt und anschliessend durch einen speziellen Wundverschluss am Flüchten gehindert. Nach ca.2-3 Tagen wird die Wunde dann gründlich ausgespült. Im Schnitt muss dieser Vorgang 3- bis 4- mal wiederholt werden. Anschliessend kann die saubere Wunde auf herkömmliche Art und Weise weiterbehandelt werden.
Üble Gerüche bilden sich keine, da die geruchsbildenden Bakterien zum Verschwinden gebracht werden. Der Wurm ernährt sich nur von abgestorbenem Gewebe, vor gesundem Gewebe macht er halt. Patienten, die jahrelang an einem Ulcus cruris leiden, akzeptieren eine solche Behandlung in der Regel gut. Die Erfolgsrate liegt hoch.

Indikationen

Hauptindikationen sind das diabetische Fuß-Ulkus, arterielle und venöse nekrotische Ulcera und Dekubitalulcera. Gelegentlich spüren die Patienten ein leichtes Kribbeln oder Brennen, eine Analgesie ist jedoch nicht erforderlich. Bei entsprechender Compliance kann diese Therapie auch ambulant vorgenommen werden. Die Methode ist nicht für Fistelgänge oder Wunden mit Bezug zu Körperhöhlen, gangränose sowie akut blutungsgefährdete Wunden geeignet.
Bei entsprechender Aufklärung wird die Biochirurgie von Patienten und Personal gern wahrgenommen, da sie rasch und schonend zum Ziel – dem wirksamen und ausreichenden Debridement – führt. Sie ist auch für Patienten geeignet, die nicht operationsfähig sind oder eine operative Wundbehandlung aus anderen Gründen ablehnen.
Die Biochirurgie sollte als Bestandteil eines komplexen Wundmanagements begriffen werden, in dem sie neben der Behandlung der Grunderkrankung, Ausgleichung von Ernährungs- u.a. –defiziten, Antibiose, Physiotherapie, Patienten- und Angehörigenschulung und feuchter Wundbehandlung ihren Stellenwert erhält.